Der älteste Bielefelder Industriebetrieb ist die Druckerei J. D. Küster Nachf. + Presse-Druck GmbH & Co. KG

Das war noch echte Handarbeit: Vor 350 Jahren brachte ein Harzer den Buchdruck nach Bielefeld und mit ihm die erste Zeitung.

Ihr Ursprung geht zurück auf Justus Andreas Tränckner, der 1661 in Clausthal (Harz) eine kleine Druckerei eröffnet, sich aber bereits zehn Jahre später in Bielefeld niederlässt. Sein Sohn Johann heiratet Anna Elisabeth Klausing (heute Klasing) aus Lemgo. Bis 1671 ließen Rat und Kirche in Bielefeld ihre Verlautbarungen, Bücher und Schriften im damals hessischen Rinteln oder im lippischen Lemgo drucken. Eine Urkunde aus jenem Jahr, die heute im Stadtarchiv verwahrt wird, bescheinigt Tränckner, „welcher sich hieselbst häußlich niederzulassen und der Trückerey zu bedienen vorhabens ist“, von den Templierern ein Darlehen von 50 Gulden mit einem Zinssatz von 50 Prozent aufgenommen zu haben. 1685 verleiht der Große Kurfürst Tränckner das Privileg als Gräflich Ravensbergischer Drucker. Nach dem Tod von Johann Tränckner 1711 heiratet seine Witwe Anna den Bremer Diederich Baedeker und schließlich 1724 Justus Nicolaus Süvern. Sohn Johann Heinrich Süvern übernimmt 1743 die Geschäfte. Nach seinem Tod heiratet seine Witwe Franz Wilhelm Honäus, der 1796 stirbt. Sein Schwiegersohn Johann Hermann Adolph Küster übernimmt die Leitung der Druckerei, gefolgt 1825 von Sohn Johann Dietrich. Die Zeitung wird auf einer eisernen Druckpresse hergestellt, es dürften um 1811 rund 200 Exemplare im Quartformat mit acht Seiten gewesen sein. Ab 1845 erscheinen die ersten Schnellpressen für Handbetrieb, die je nach Größe der Bögen bis zu 1.400 Exemplare in der Stunde drucken können. Charlotte, geb. Schwabedissen, Witwe von Johann Dietrich Küster, führt ab 1839 die Geschäfte und nennt die Firma „J. D. Küster Witwe“. 20 Jahre später tritt ihr Sohn Hermann die Leitung des Geschäftes an. 1870 verkauft Küster die Druckerei an Wilhelm Bertelsmann, den dritten Sohn des Gütersloher Verlegers Carl Bertelsmann. Sie erhält ihre endgültige Bezeichnung „J. D. Küster Nachf.“ Neun Jahre später tritt Alfred Käller in das Unternehmen ein, das in jenem Jahr auf Heinrich Bertelsmann, den Bruder von Wilhelm, übergeht und danach an seinen Nachfolger und Schwiegersohn Johannes Mohn, beide aus Gütersloh. Käller ist auch „Hauptredakteur“. 1898 erwirbt Küster Nachf. das Spenglersche Hotel an der Niedernstraße 25. Auf dem Gelände neben dem Hotel zum Süsterplatz hin entsteht das neue Betriebsgebäude. Das Geschäftshaus beherbergt im Erdgeschoss neben der Buchhandlung und dem Papiergeschäft die Expedition (Geschäftsstelle) mit Buchhaltung, die Werbeabteilung („Propagandabüro“) und das Privatzimmer des Chefs Alfred Käller. Nach eigenen Angaben steigt die Auflage der Westfälischen Zeitung von 2.900 im Jahr 1879 auf 20.000 Exemplare im Jubiläumsjahr 1911. Die Zwillingsrotation aus diesem Jahr kann maximal 16 Seiten herstellen. Küster stellt aber nicht nur die Zeitung her: Geschäftsdrucksachen wie Briefbögen in der Akzidenz-Setzerei, Satz für Bücher, Zeitschriften oder Statuten in der Werk-Setzerei. Die Auflage der Zeitung steigt weiter, erreicht 1937 den Höchststand von 24.000 Stück. Nach der Zwangsfusion 1944 mit den Westfälischen Neuesten Nachrichten (WNN) bleiben Akzidenzdruckerei und Schreibwarenhandlung weiter in Betrieb. Am 11.Mai 1951 feiert Küster Nachf. Richtfest für den Neubau der im Krieg zerstörten Häuser Niedernstraße 23 und 25. Am 1. Februar 1959 nimmt J. D. Küster Nachf. eine neue Hochdruckrotation der Firma Albert aus Frankenthal in Betrieb: Seitdem erscheint die älteste Bielefelder Tageszeitung im größeren Rheinischen Zeitungsformat.

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